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Innovatives Leitsystem mit vielen Möglichkeiten

(R)Evolutioniert "EOS" die Luftrettung?

 

 

 

Gestalten aus der griechischen Götterwelt standen Pate für neue, zukunftsweisende Entwicklungen im Rettungsdienst. EOS - benannt nach der Göttin der Morgenröte - hat als Einsatzleitsystem beste Voraussetzungen, das Rettungswesen auf den Straßen, zu Wasser und in der Luft zu optimieren. Das Konzept, welches hinter dieser Entwicklung steht, wird seit etwa einem Jahr bei der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) erprobt. Es ist grundsätzlich für eine gemeinschaftliche Nutzung ausgelegt und könnte eine Leitfunktion in Deutschland und Europa einnehmen. Hinter den Planungen - steht Z.E.U.S.© (Zukunftsorientierte Entwicklungen und Strategien), eine Projektgruppe der DRF.

 

Weiterer Meilenstein

Der Faktor Zeit spielt im Rettungsdienst die entscheidende Rolle. Als am 7. Mai 1969 die Familie Steiger ihren achtjährigen Sohn Björn bei einem Verkehrsunfall aufgrund viel zu später Hilfeleistung verlor, da initiierte Siegfried Steiger einen beispiellosen Kampf für ein besseres bodengebundenes Rettungssystem in Deutschland.

Mit der Gründung der DRF wurde im Jahr 1972 ein weiterer Meilenstein gesetzt.

Als einen nächsten notwendigen Schritt nach vorn bezeichnet der Präsident der Deutschen Rettungsflugwacht, Siegfried Steiger, jetzt das Projekt EOS. Dazu wörtlich: "Als Luftrettungsorganisation fühlt sich die Deutsche Rettungsflugwacht seit rund 25 Jahren der Aufgabe verpflichtet, durch schnelle Hilfe Leben zu retten. Modernste Technik ist für uns in erster Linie ein Mittel, die Leistungsfähigkeit noch weiter zu steigern. Daneben geht es uns heute darum, aktuellen und zukünftigen Anforderungen nach Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Transparenz von Rettungseinsätzen entsprechen zu können".

 

Wirtschaftlichkeit steigern

Wirtschaftlichkeitsfaktoren bestimmen zunehmend die Diskussion im Rettungsdienst - und das besonders in der Luftrettung. Dies war auch eine der zentralen Fragestellungen auf der AIRMED 1996 , dem Weltkongreß für Luftrettung in München. Dort wurde die dreißigprozentige Steigerung der Kosten in den letzten fünf Jahren unter anderem auf ein Überangebot an Hubschraubern im Sekundärtransport-Bereich zurückgeführt. Übertriebener Wettbewerb im sensiblen Bereich der Luftrettung bringe nach den heute von Land zu Land sehr unterschiedlich gehandhabten Einsatzkriterien keine Kostenersparnis. Vielmehr würden nicht indizierte - also unnötige - Hubschrauber-Einsätze die Kosten erhöhen. Es stellte sich die Frage: Kann auf diesem Sektor ein zentrales Einsatzleit- und Koordinierungssystem aus sich gegenseitig stützenden Luft- und Bodenrettungsmittel für mehr Transparenz und Wirtschaftlichkeit sorgen?

Grundsätzlich eine Aufgabe, die EOS übernehmen kann: durch fachlich kompetente Koordinierung, das richtige und somit auch kostengünstigste Rettungsmittel zum Einsatz zu bringen. Entfernungen spielen für das System keine Rolle. Das haben die erfolgreichen Testversuche der ersten Ausbaustufe am Beispiel eines Rettungshubschraubereinsatzes vom Standort Hartenholm/Schleswig-Holstein mit einer BK 117 der DRF Ende letzten Jahres deutlich gemacht. Der Einsatz wurde aus der DRF-eigenen Deutschen Zentrale für Luftrettung in Filderstadt bei Stuttgart eingeleitet, verfolgt und koordiniert.

 

Allgemeine Nutzung

Im Endausbau wird EOS aus einer zentralen Leitstelle bestehen, mit der Rettungshubschrauber oder auch Flugzeuge und sonstige Einsatzmittel über ein INMARSAT-C Satellitenkommunikationssystem Daten austauschen. Auf der Grundlage dieser Daten kann die Leitstelle den Einsatzauftrag mit genauen Angaben über die Art des Notfalls übermitteln.


EC-135 mit EOS : Ständiger Kontakt & Datenaustausch

Dadurch können alle Hubschrauber jederzeit deutschlandweit erreicht werden - auch wenn sie nach Sichtflugregeln im Tiefflug operieren. Dies stellt einen erheblichen Gewinn an Flexibilität dar und hilft, Reaktionszeiten zu verkürzen und eine schnellere Notfallversorgung zu gewährleisten.

Umgekehrt können auch aus den Rettungshubschraubern Daten wie die augenblickliche Position, der Einsatzstatus oder die Eintreffzeit an der Notfallstelle übermittelt werden. Vorbereitet wird auch die Datenübermittlung an die aufnehmende Klinik, um die Versorgung der Notfallpatienten zu verbessern. Auf der Basis der an die Leitstelle übertragenen und dokumentierten Einsatzdaten kann schließlich bei der Abrechnung des Einsatzes mit den Versicherungsträgern eine umfassende Kostentransparenz gewährleistet werden.

Durch seinen modularen Charakter kann das Leitstellensystem ausgebaut und quasi jedem Dienstleister im Rettungsbereich zur Verfügung gestellt werden.

 

Vorteile bei Katastrophenfällen

Insgesamt stellt das Einsatzoptimierungs- und Steuerungssystem EOS - nach Abschluß der Ausbauphase - folgendes Potential bereit:

  • Positionsinformationen im Cockpit und in der Einsatzzentrale
  • Navigationsunterstützung für die Crew
  • Aufnahme von Patientendaten im Einsatzmittel
  • Aufzeichnung und Übermittlung betriebstechnischer Daten (z.B. Treibstoffmenge, Crew-Status )
  • Grafische Kommunikation und Datenaustausch Boden-Luft-Boden
  • Mobile Speichermedien zur Abgleichung aktueller Daten zwischen Einsatzmittel und EOS-Leitstelle
  • Automatisierte Auswertung aller Daten und abrechnungstechnische Weiterverarbeitung

EOS Zentrale - Modulares Leitsystem

Bei der Realisierung des Gesamtsystems wurden die marktverfügbaren neuen Technologien aufgegriffen und konsequent zu einer funktionellen Einheit zusammengeführt. Ein Teilziel: die Wirtschaftlichkeit von Rettungseinsätzen steigern und die Kosten senken. Neben der Optimierung des Rechnungsdurchlaufs oder der technischen Wartungsintervalle der Hubschrauber steht auch die Verfügbarkeit der Rettungsmittel im Vordergrund. Einsätze können mit EOS optimal gesteuert, Leerflüge öfter vermieden und die Konzentration und Organisation der Rettungsmittel, z.B. bei Katastrophen und Großschadenslagen erheblich verbessert werden.

 

Deutsche Zentrale für Luftrettung

EOS wurde in Kooperation zwischen der DRF und den beiden Unternehmen Aerodata Flugmeßtechnik (Braunschweig) und STN Atlas Elektronik (Bremen) entwickelt.

Das EOS-System wird von der Deutsche Zentrale für Luftrettung (DZL), die in der Hauptverwaltung der DRF integriert ist, betrieben. In dieser Alarmierungszentrale werden an 365 Tagen im Jahr die Hilfs- und Rettungseinsätze der DRF rund um die Uhr koordiniert. Die Möglichkeit der direkten Datenübertragung aus Hubschraubern, Flugzeugen und sonstigen Einsatzmitteln versetzt das Leitstellenpersonal in die Lage, zu jeder Zeit über den Status der Einsatzmittel Auskunft geben zu können. Ein Blick auf den EOS-Monitor informiert über alle relevanten Daten.

EOS setzt sich aus zwei Kernelementen zusammen:

  • dem integrierten Navigationssystem AeroNav®-H der Aerodata Flugmeßtechnik, das die luftgestützte Komponente von EOS darstellt
  • dem in die Leitzentrale eingerüsteten Einsatzleit-, Verwaltungs- und Informationssystem ELVIS der Firma STN Atlas Elektronik.
 

ELVIS - Managen in Echtzeit

Die bodengebundene Komponente von EOS ist das von STN Atlas Elektronik entwickelte Einsatzleit-, Verwaltungs- und Informationssystem ELVIS. Ursprünglich für den Einsatz bei Berufsfeuerwehren entwickelt, hat sich ELVIS in dieser Rolle bereits vielfach bewährt und wurde nun im Rahmen von EOS an die speziellen Anforderungen der Luftrettung angepaßt. Dabei ermöglichte es der modulare Aufbau von ELVIS, das System genau auf die Kundenanforderungen zuzuschneiden.

Die Anwendermodule nutzen ein Datenbanksystem, das die leitstellenspezifischen Aufgaben des Datenmanagements übernimmt. Alle einsatzrelevanten Daten, wie z. B. Informationen zu den Einsatzmitteln, wichtige Adressen und Telefonnummern sind über das System ohne Zeitverzögerung verfügbar und können für die Einsatzbearbeitung und Dokumentation genutzt werden. Das Karteninformationssystem erlaubt in Verbindung mit der INMARSAT-Datenübertragung aus den Rettungshubschraubern jederzeit einen Überblick über das Einsatzgebiet und die genaue Position der Einsatzorte und -mittel.


ELVIS - Moderne Rettungsleitzentrale

ELVIS unterstützt auch administrative Arbeiten wie Einsatzabrechnung, Gebührenerhebung, Personal- und Einsatzmittelverwaltung.

Die vorbereitete Möglichkeit der Übertragung von diversen Daten aus dem Fluggerät, z. B. an die aufnehmende Klinik, dient einer besseren Notfallversorgung.

 

 

AeroNav®-H - Flying Network

AeroNav®-H ist ein integriertes Navigationssystem, das die Positionslösung mittels eines GPS-Empfängers und einer gekoppelten Inertialsensorik berechnet. Durch diese Kombination zweier Navigationssensoren wird ein gegenüber stand-alone GPS-Empfängern deutlich gesteigertes Maß an Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Integrität der Positionslösung erreicht. Weiterhin liefert AeroNav®-H neben der reinen Positionslösung eine Lagereferenz des Luftfahrzeugs. Eine Flight Management Software unterstützt den Piloten bei der Flugplanung und -durchführung, wobei AeroNav®-H bis zu 3000 Wegpunkte abrufbar speichern kann.

Das System besteht aus den Komponenten Navigation and Communication Unit (NCU)", die den GPS-Empfänger und das Interialpaket enthalten sowie der Control and Display Unit (CDU)". Das System hat Schnittstellen zu weiteren optionalen Anbindungen, z.B. einer Moving Map" und/oder optischer Sensoren (z. B. FLIR-Forward Looking Infrared).

Die gewonnene Bildinformation wird von AeroNav®-H mit den Positions- und Lageinformationen des Hubschraubers korreliert. So kann die exakte geographische Position eines optisch aufgenommenen Ereignisses errechnet und auf geeigneten Displays (Moving Map) dargestellt werden.

Über die Kommunikationsschnittstelle kann ein INMARSAT-C Satcom Tansceiver und ein GSM-Mobiltelefon angebunden werden. Am Boden kann dann die Kommunikation über die (kostengünstigere) GSM-Strecke erfolgen, wobei über eine Diagnoseschnittstelle auch Systemdaten des AeroNav®-H übermittelt werden können.

 
 
 

Guido Ziese

 

Last updated 2002-01-10 , webmaster

 
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