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Apuchin - Titel

 

Ich hatte die Gelegenheit... Das Wetter war sehr gut, der Wunsch, ein neues Land zu sehen und zu erleben war da, in meinem Abenteurer-/Entdecker-Leben der letzten 30 Jahre eine weitere Reise in einen anderen Teil der so großen Welt zu unternehmen, war viel zu verführerisch, um diese Möglichkeit nicht wahrzunehmen.

 

 

* Apuchin = "Das Flüstern der Stille" - vom Namen des Kondors abgeleitete Bezeichnung des Gebirgs-Hubschraubers in der indianischen Landessprache (Kechua).

Die Anden mit Höhen über 6.000m, der Amazonas, die Inkas und die Urbevölkerung, 3.000 Meilen Küstengebiet gingen mir durch den Kopf. Wie kann man da nicht zugreifen? Sich impfen lassen und losfliegen!

 
Mi-17

 

Unser Reiseziel war Cusco, Peru, die älteste Stadt in den beiden Amerikas, die seit 3.500 Jahren ununterbrochen besiedelt ist und Hauptstadt des Inka-Reiches wurde. Der Flugplatz dort liegt 10.000 ft hoch! — mitten in den Anden, umringt von Bergen, die meisten über 5 - 6.000m hoch und undurchdringlichen Regenwäldern. Eigentlich kein "Hubschrauber-Gelände" mehr — siehe dazu die Kapitel für "maximales Abfluggewicht" in den Handbüchern von UH-1D und noch einem Dutzend anderer Hubschrauber, selbst mit mehreren Turbinen!

 

Von unserem "Zuhause" am Strand des Pazifik in Cayucos, Kalifornien, war es eine gute halbe Stunde mit dem Auto bis San Luis Obisbo, dann mit dem Flugzeug nach Los Angeles LAX, mit Weiterflug nach Dallas/Fort Worth, Texas. Die längste Strecke lag jedoch vor uns. Der Gesamtflug sollte so um die 5.000 Meilen werden, über Houston, Texas, den Golf von Mexiko, die Halbinsel Yukatan, Belize, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Equador mit der Aussicht einer Landung mit "Stiffwing" in 10.000 Fuß Höhe in Cusco, Peru. So etwas hatte ich noch nie gemacht. Das Handbuch sagte, daß es ginge, durchführbar sei. Warum auch nicht…

Fläche fliegen ist langweilig, man hat ja so wenig zu tun, aber mit Mach 0.8 oder so überbrückt man doch ganz schön schnell Entfernungen. Trotzdem bleibt viel Zeit zum Nachdenken, dazu Nachtflug, um ruhige Luftströmung über dem Golf von Mexico und Mittelamerika zu nutzen.

Ich dachte an diese geheimnisvolle Gesellschaft der Inkas, niemand weiß, wo sie herkamen, niemand weiß, wohin sie "verschwunden" sind und warum. Aber ihre Anwesenheit in der Zeit um das Jahr 1200 v. Chr. ist deutlich erkennbar. Die Spuren ihrer Siedlungen sind im gesamten westlichen Teil Südamerikas zu finden. Ihre Kenntnisse in Bezug auf den Bau von Siedlungen, Festungen und Tempeln war eben so groß, fortgeschritten und erstaunlich wie wir sie von den Römern, Griechen, Ägyptern und Chinesen kennen — um einige Beispiele zu nennen.

Peru machte in diesem Jahrhundert weltweit Schlagzeilen, als man Mitte 1920 in einem völlig unzugänglichen Teil des Landes durch Zufall die Ruinen von MACHU PICCHU entdeckte! Was für ein Fund! Die Größe und der Gesamtzustand erlaubte einen sehr guten Einblick in das Leben (und Bauen!) der Inkas. Nach nur fünf Jahren Arbeit war diese interessante Anlage der Inkas schon der Öffentlichkeit zugänglich, ein fast unbeschreibliches Erlebnis.

Die Anden könnten nicht höher und majestätischer sein. Im Norden Machu Picchu ist Mt. La Veronica mit 5.850m (18.865 Fuß), im Süden liegt das Massiv um Mt. Salquantay mit 6.271m (20.574 Fuß). Ich denke daran mit Freude, Bedenken und Erwartung.

Nach etwas über vier Stunden waren wir über dem Funkfeuer San Jose, Costa Rica, dann inbound Trujilo, Peru und ein kurzer Hüpfer bis nach Lima. Die Landung dort nach sechs Stunden war Routine, die Abfertigung sehr freundlich und zuvorkommend. Es war noch dunkel, aber bald darauf starteten wir zu dem kurzen Flug nach Cusco. Der Flug führte um die hohen Andenspitzen, zwischen den Bergen durch die Täler. Erstaunlicherweise sieht man Vegetation bis zu 5.000m Höhe.

Der Anflug in Cusco war auch Rountine, die Luft ruhig, in diesen frühen Morgenstunden setzte die Machine leicht auf, und wir rollten zum Flughafengebäude. Dort hatte ich schon im Anflug die MI-17MT stehen sehen in den recht gelungenen und attraktiven Farben der Firma HELI CUSCO. Das Aussehen des Hubschraubers, seine Größe und das Wissen um seine Leistungsfähigkeit in diesem Land lassen das Herz eines Piloten ein wenig schneller klopfen. Ein Wunderwerk der Technik, würdig jeder Hochachtung an die Hersteller.

Wir waren müde, so ging’s erst zum Hotel, erstaunlich sauber mit sehr freundlicher Bedienung, gutem Essen und komfortablen Zimmern, ein altes Klostergebäude.

Mein Treffen mit dem Geschäftsführer von HELI CUSCO in Cusco, Herrn Gonzales Vargas, gab mir einen guten Einblick in die Verwendung der MI-17MT in seinem Land. Die gehörten Gewichts-Zahlen der Lasten für die Höhe erstaunten mich sehr. So viele Jahre habe ich im Gebirge geflogen, mit kleinen und großen Hubschraubern, aber an solche schweren Lasten war nie zu denken. Von Wind und Wetter haben wir erst gar nicht gesprochen!

 

Mi-17

 

Am Flugplatz traf ich dann den Piloten und Operations Manager, Herrn Roberto Calderon Ortega. Veteran der Luftwaffe seines Landes mit 20 Dienstjahren, erst Jäger- und dann Hubschrauberpilot, er hat ca. 4.000 Flugstunden, 46 Jahre alt, verheiratet und bisher unfallfrei geflogen. Er ist sehr begeistert von der MI-17MT, eine fast neue Maschine mit weniger als 1.000 Stunden Gesamtflugzeit.

Meine Einweisung zeigte: fremd war die Farbe und die Anordnung der Instrumente, die Beschriftungen meist in russischer Sprache, der Sitz des 1. Flugzeugführers ist links, eine gute Vereisungsanlage, alle erforderlichen Instrumente für den Blindflug. Die Turbinen werden vom Bordmechaniker gestartet, ohne jede Hilfe des Piloten.

Sehr eindrucksvoll sind die technischen Daten, hier ein paar Einzelheiten:

Leergewicht

7.470 kg

Max. Payload

4.000 kg

Leistungshöhe

19.685 Fuß bei 11.000 kg max. Gewicht

Geschwindigkeit

250 km/h

Autorotations-Geschwindigkeit

120Km/h mit 9-10 m/sec Sinken

Range

525 Meilen

Kapazität d. Haupttanks

2.615 ltr

Kapazität d. Zusatztanks

jeweils 895 ltr

Spritverbrauch

700 ltr / Std.

Turbinenleistung

2.200 shp pro Turbine

Rotor

6 Blätter mit 21 m Durchmesser

Sitzplätze

3 Cockpit, 24 Passagiere in der Kabine, sehr komfortabel

Außerdem:

Eine sehr gute Enteisungsanlage mit Warnung neben dem 1. Flugzeugführersitz.
Der Flug mit nur einer Turbine ist sehr leicht und einfach, auch in der Höhe des Landes Peru .

 

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Kosten der MI-17 MT vergleichbar sind mit einer Bell–206 L, die in diesen Höhen nicht einmal einen Bleistift transportieren könnte.

Dem Flug sah ich mit großem Interesse entgegen. Unser Ziel war natürlich MACHU PICCHU, 25 Minuten Freude, Erstaunen, Terror, Bewunderung und Begeisterung, Achtung und vielem Kopfschütteln!

Ich dachte, ich hätte Gebirgsflug-Erfahrung! Hier zeigt mir ein peruanischer Pilot in aller Gelassenheit das Fliegen in 4 bis 5.000 m Höhe, folgt ganz engen Tälern, in denen man nicht mehr wenden kann. Ich muß mir den Kopf verdrehen, um die Bergspitzen zu sehen, an bebauten Feldern in 3 bis 4000m Höhe vorbei, angelegt auf Schräghängen von mehr als 40 Grad. Inka-Befestigungen konnte ich in allen Höhen über 4.000 m bewundern, zwischen Wolkenfetzen und gelegentlichem Blick auf Schnee- und Eisfelder, meist jedoch Vegetation bis über 5.000 m Höhe! Ein Erlebnis sondergleichen!

 

 

Macchu-pichu


Der Anflug auf den Landeplatz im Tal vor MACHU PICCHU war eine 70 Grad Schräglage-Kurve mit Sinken ins Ungewisse und einem riesigen "Flare" zum Aufsetzen. Wir waren angekommen, heil und sicher, noch mit den Gedanken in den Wolken, überwältigt von dem Erlebnis! Was für eine Maschine! Was für eine fliegerische Leistung der Besatzung!

Der nun folgende Besuch der Ruinen in MACHU PICCHU war ein ganz anderes Erlebnis und bald mußten wir wieder nach Cusco zurück, per MI-17MT! Nun schon mehr vertraut mit den technischen Einzelheiten und dem Land. Es war ein Genuß, begleitet von Stolz, was WIR Hubschrauber-Piloten alles können und leisten, wagen und fertigbringen!

Roberto Calderon war an dem Abend mein Gast im Hotel und wir diskutierten bis in die frühen Morgenstunden unser Lieblingsthema: HUBSCHRAUBER!!!

Mit Wehmut im Herzen und um so viele Eindrücke und Erfahrungen reicher, sagten wir nach einigen Tagen "Good Bye". Wie immer zwischen Piloten, ein Händeschütteln, ein kräftiger Händedruck, ein Blick in die Augen, "Fliege sicher mein Freund", wir sehen uns bestimmt einmal wieder.

"Vaja con Dios, Amigo" … "Geh mit Gott" … wir sind ihm sehr nahe gekommen…

A. E. Hallerberg

cockpit talkArno E. Hallerberg, hier mit Mi-17-Pilot Roberto Calderon Ortega, begann seine Karriere bei der Luftwaffe in Faßberg. Seit 1960 arbeitete er als Offizier, Pilot und Fluglehrer (Fläche und Hubschrauber im Mittleren und Fernen Osten, Afrika und Kanada). Er ist kanadischer Staatsbürger.

 

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